22
Okt
2014
7

Treibholz bearbeiten – Gefunden! Wie nun aber richtig trocknen & behandeln?

Wenn man Treibholz findet, ist es logischerweise in den seltensten Fällen trocken. Doch wie behandel ich nun den gefundenen Schatz?
Die neue Errungenschaft des Spaziergangs braucht noch ein wenig Geduld, bevor es zur Verarbeitung kommt.

Hier mal das
„waschen  trocknen  legen“ -Programm
für Treibhölzer

Mit ein paar Ratschlägen hast Du mehr von dem ohnehin schon so stark durch Wasser, Sonne, Sand und Witterung beanspruchten Holz. Aber eben das macht das Holz ja auch so einzigartig!

 

Trocknung

Die Hölzer sollten nicht zu stark und schnell getrocknet werden, denn dann entstehen Trockenrisse. Holz arbeitet und wenn der Temperatur- und Feuchtigkeitswechsel zu rasch eintritt, verstärkt das die Bildung der Risse. Vermeide es daher, die Hölzer in der prallen Sonne oder auf der Heizung zu trocknen.

Man glaubt gar nicht, wieviel Wasser so ein Holz in sich aufsaugen kann. Dann mag es von außen schon trocken sein, ist aber von innen noch freucht. Ehe man sich versieht, schwindet das einst so massive pralle Holz, zu einem winzigen porösen Hölzchen mit Rissen. Da ist die Enttäuschung groß. Also lieber langsam und gleichmäßig trocknen lassen. Der feuchte Dachboden oder Keller ist weniger ideal.

Am besten kannst Du es mehrere Tage bei Zimmertemperatur auf Zeitungspapier ausgebreitet trocknen. Ich habe letztes Mal darauf geachtet, wie lange sowas dauern kann. Hölzer, die durch und durch nass waren, haben über drei Wochen getrocknet. Andere, die schon länger angespült waren, brauchen wenige Tage. Das ist natürlich nur ein ganz grober Richtwert für kleine bis mittelgroße Hölzer. Massive und sehr große Stämme, Bohlen und Wurzeln brauchen durchaus mehrere Wochen oder gar Monate zum vollständigen Trocknen.

Treibholz_Lieblingsstuecke

Und was, wenn das Holz doch reißt und die Spalte nicht gewünscht ist?

Je nach Riss und Fundstück, kannst du versuchen einen ungewünschsten Spalt zu kitten.

Du kannst Dir selbst ein Gemisch rühren aus Holzleim und Sägespäne, um solche Bereiche auszufüllen. Wenn Du keine Späne und möglicherweise keine Späne der gleichen Holzart zur Verfügung hast, gibt es Holzspachtelmasse/Holzkitt in den verschiedensten Färbungen der möglichen Holzarten für solche Zwecke. Auch erhältlich in jedem Baumarkt.

 

Säuberung

Lose Rinde wird entfernt. Für starke Verschmutzungen (Algen und Matsch) schrubbe ich das Holz gründlich mit viel Wasser ab. Für leichte Verschmutzungen, bevorzuge ich es, die Hölzer vor der Trocknung nur grob abzuklopfen und ggf. Algen und Verfärbungen ohne das Holz wieder nass zu machen mit einer Wurzelbürste abzuschrubben. Erst nach der Trocknung macht es Sinn das Holz gänzlich von Sand zu befreien, da der Sand nur allzu gut am feuchten Holz klebt. Dazu nehme ich einfach einen Handfeger, die Wurzelbürste oder eine alte Zahnbürste um das Holz von Sand in den kleinen Furchen der Maserung zu befreien. Wer Druckluft zur Verfügung hat, um das Holz ab- und auszupusten, kann sich sicher glücklich schätzen.

 

Verarbeitung

Jetzt kannst Du das Treibholz bearbeiten, YAY!

Zur weiteren Verarbeitung eignen sich folgende Materialien und Werkzeuge:

  • Holzraspel, um noch weniger „getriebene“ Stellen grob rund zu schleifen
  • Messing-Drahtbürste, um die Maserung noch stärker herauszuarbeiten. Das geht per Hand oder maschinell mit einem Aufsatz für die Bohrmaschine. Die Drahtbürste hinterlässt jedoch auch bei hartem Holz noch feine Kratzer. Daher immer schön in Richtung der Maserung bürsten.
  • Schleifpapier für die Feinarbeit
  • Schnitzwerkzeug / Beitel
  • Dremel Multifunktionswerkzeug
  • Winkelsägegerät mit Feinsäge
  • Heißklebepistole (Kleben für den Innenbereich). Im Außenbereich kann sich der Kleber lösen, sobald die Temperaturen steigen.
  • Foto Transfer Potch, um Bilder auf Holz zu übertragen oder wie für die Serviettentechnik zu verwenden
  • Aufhänger, wie man sie an der Rückseite bei Bilderrahmen findet
  • Draht/Bindedraht; je nach Verwendungszweck, weil der Draht auch seine Spuren im teilweise weichen Holz hinterlässt
  • Bast, Hanfgarn
  • Nägel
  • (Schraub-)Haken
  • Haarspray, um Farbe zu fixieren und für einen Seidenglanz auf dem Holz
  • Farben
  • Lack. Dazu mein Hinweis: das Holz kann durch aufgetragenen Lack weniger atmen/arbeiten. Das Holz wird durch den Lack versiegelt und mögliche Feuchtigkeit kann nicht mehr austreten.
  • Holzleim; trocknet wunderbar transparent und wird kaum sichtbar sein.An dieser Stelle möchte ich gerne noch ergänzen, dass sich manche Leime nur für Anwendungen im Innenbereich eignen. Im Außenbereich würde sich der Leim ggf. durch entstehende Feuchtigkeit auflösen und eine weiße Oberfläche verursachen.

    Leime sind in verschiedene Klassen eingeteilt.
    Ein D1-Leim ist zum Beispiel nur für den Innenbereich und Möbelbau gedacht und alles was für Draußen gebaut wird (z.B. Fenster, Wintergärten aus Holz oder beispielsweise Treibholzskulpturen), wird mit einem D3- oder D4-Leim verleimt.

  • Leinöl, Olivenöl, Bienenwachsbalsam, um es haltbarer und kurzzeitig wasserresistenz zu machenEs gibt Einige, die ihr Holz gerne ölen, um die Maserung optisch hervorzuholen. Das nennt sich „anfeuern“, hat aber mit Feuer und einem Abflammen nichts zu tun. Ich persönlich bin kein Freund solcher Nachbehandlung.

    Bei der Nachbehandlung mit Öl dunkelt das Holz möglicherweise sehr unschön nach, kann nass und speckig wirken. Das Öl dringt zu tief in die Holzfasern ein und das Ergebnis ist wenig vorhersehbar. Es sei denn Deine gesammelten Treibhölzer scheinen aus dem gleichen Holz zu sein und Du kannst das Ergebnis vorher an einem Stück testen. Ich hatte jedoch noch kein Ergebnis, welches mir nach dem Ölen besser gefiel und lasse es seither lieber bleiben.

    Wenn Du gute Erfahrungen gemacht hast, lass es mich gerne wissen und teile Deine Erfahrungen unten in den Kommentaren mit uns!

  • Werkzeug zum Abflammen, Anleitung inkl. Material findet ihr hier im TutorialAls eine weitere Möglichkeit der Nachbearbeitung kommt mir nun noch das leichte Abflammen in den Sinn. Ich denke an einen sehr geringen Grad des Ab- oder eher Anflammens, sodass das Holz wenig dunkel wird, aber mögliche absplitternde Fasern damit ebenfalls reduziert werden.

    Ich habe damit zwar noch keine Erfahrung, jedoch mag ich das Ergebnis tatsächlich ganz gerne. Ich habe nicht selbst geflammt, aber schon oft angekohltes Holz gefunden, welches der gänzlichen Verbrennung eines Lagerfeuers entkommen war. Ein guter Nebeneffekt ist, dass das Holz so auf natürliche Weise versiegelt und haltbar wird.

 

Bist Du schon im Werkel-Fieber und hast aber noch nicht das passende Treibholz gefunden?
Dann kontaktier mich gern und beschreib mir das Holz, wie Du es Dir vorstellst. Vielleicht hält mein Fundus das passende Holz für Dich bereit.

 

Nun aber viel Spaß beim Werkeln!

 

Hast Du selbst bereits etwas aus Treibholz gebaut? Haben sich bei Dir auch schon Probleme währenddessen ergeben?
Berichte mir gern in den Kommentaren davon! :)

 

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6 Kommentare

  1. Joshua

    Hi Andrea,
    Schöner Artikel. Was ich persönlich bei meinen Fundstücken häufig finde, sind kleinere Tiere/Insekten die sich bereits ein neues Heim eingerichtet haben, Bzw. was mach ich wenn der Wurm drin ist? Hättest du da eventuell auch einen Tipp wie man das Holz in seiner gefundenen Form erhalten kann und trotzdem alles krabbelnde da raus bekommt. Ich verschenke mein gebautes auch ganz gerne, aber wenn ich einen Holzwurm oder borkenkäfer mitverschenke, der sich dann in ein Fachwerkhaus einnistet,wäre die Überraschung grösser als gewollt;)
    Liebe Grüße Joshua

    1. andrea | treibholzeffekt

      Hej Joshua,
      vorab vielen Dank für den netten Kommentar, aber puh… gute Frage. Aus meiner bisherigen Erfahrung, denke ich, dass die Würmer jeglicher Art im Holz sterben werden, spätestens wenn es zur Trocknung kommt. Jedoch habe ich bewusst noch kein angespültes(!) und angetrocknetes Holz gefunden, wo ersichtlich noch Leben und ein Wurm enthalten war. Entweder sie haben dann das neue Heim schon wieder verlassen und sind umgezogen oder sie sterben dann in dem Holz. So hart das ist. Du reißt sie aus dem Lebensraum und das neue Klima wird ihnen nicht gefallen. So ist es auch beim Holzwurm in Möbeln. Der Holzwurm mag Feuchtigkeit, aber in beheizten Räumen und der trockenen Umgebung einer Wohnung bleibt er nicht in den Möbeln.
      Offensichtliches Leben und Würmer hatte ich im Holz bislang nur, wenn ich es wirklich aus dem Wasser gefischt habe und die Zersetzung schon fortgeschrittener war. Dann entdeckst Du aber auch ganz offensichtlich die Bohrlöcher oder poröses morsches Holz mit Leben. Ich persönlich vermeide es eher Holz aus dem Wasser zu fischen. Also nach meiner Einschätzung wirst Du mit gefundenem getrocknetem Holz auf Dauer keine bösen Überraschungen haben.
      Liebe Grüße,
      Andrea

  2. Hi Andrea :)
    Der Punkt mit dem abkochen ist sicher nicht bei jedem Holz notwendig. Das hast du Recht. Wenn aber am Holz Algen oder ähnliches wachsen, würde ich immer eher auf Nummer sich gehen und alles abtöten :D
    Mit größerem Holz habe ich bisher leider keine Erfahrung. Bei meiner Methode ist es so, dass das Abkochen den größten geruchsbekämpfenden Effekt bringt und das Kurkuma wirklich mehr für die Optik sorgt. Also denke ich, dass kochendes Wasser nur wenig ausrichten kann.
    Welches Hausmittel mir spontan einfällt ist Kaffeesatz. Den benutze ich zuhause immer um Tabakgeruch zu beseitigen. Das Pulver zieht Gerüche an und bindet sie. Ich würde das Holz an der verkokelten Stelle mehrmals mit frischen Kaffeesatz einreiben. Was besseres fällt mir leider auch nicht ein, aber ich denke weiter nach…. :D
    Zurück zum Kurkuma: Mit der gelblichen Verfärbung hast du schon recht. Das Holz kann wirklich sehr gelb werden, deshalb sollte man je nach gewünschten Farbton das Gewürz dosieren.
    Liebe Grüße

  3. Schöner Artikel :)
    Ich habe auch letztens erst an der Donau Treibholz gesammelt. Ich koche das Treibholz gerne um auch wirklich jede Verunreinigung zu beseitigen, aber ich bin mir bewusst, dass das wohl ein bisschen übertrieben ist :D
    Für eine schönere, hellere Holzfärbung habe ich auch eine Eigenart: ich gebe das Gewürz Kurkuma ins Kochwasser. So verschwindet auch der leicht modrige Geruch schneller. Für mehr Infos: ich habe einen Artikel über mein eigenartiges Vorgehen geschrieben..

    1. Hej Nico,
      ich freu mich Deinen Kommentar und von Deiner Erfahrung zu lesen. Ich behalte Deinen Tipp mit dem Kurkuma im Hinterkopf!! Verfärbt es sich dadurch nicht zu sehr ins Gelbliche? Ich hab schon mal gehört, dass manch einer die Hölzer abkocht. Das Stinke-Problem kenne ich von kleinen Hölzern bislang zum Glück nicht, kann es mir aber nun sehr gut vorstellen… denn: seit gut nem Monat habe ich einen längeren Stamm und vorerst verbannt (falls Du bei Facebook bist… Bilder von dem Stamm habe ich am 12.2. gepostet). Der Stamm hat eine schwarze Stelle, die nun leider gewaltig stinkt. Gerne würde ich Deinem Tipp nachgehen, aber der passt natürlich in keinen Kochtopf. Hast Du auch schon Erfahrung mit größeren Hölzern? Kannst Du Dir vorstellen, dass das Übergießen mit kochendem Wasser Abhilfe verschafft? Ansonsten habe ich überlegt die schwarze Stelle runterzuschleifen…. hmm. Wäre schade um das (stinkende) Schmuckstück. Es sollte eine Stehlampe werden… =)

Mich interessiert auch immer Deine Meinung. Hinterlass mir gerne einen Kommentar!